Freitag, Januar 01, 2010

Neujahrswünsche

Neujahrsgedicht von Rainer Maria Rilke.

Wir
wollen
glauben
an
ein langes Jahr,
das uns gegeben ist,
neu,
unberührt, voll nie gewesener Dinge,
voll nie getaner Arbeit,
voll Aufgabe,
Anspruch und Zumutung.
Wir wollen sehen,
dass wir's nehmen lernen, ohne allzu viel fallen zu lassen
von dem
was es zu vergeben hat, an die, die Notwendiges, Ernstes und
Großes von ihm verlangen.

~

Neujahrs-Segen zu 1901


Ein Jahr, ganz voll von neuen Dingen:
ein neues, niegekanntes Jahr, -
(von welchem jene Engel singen,
die sich auf ausgewachsnen Schwingen
erheben aus der Schwesterschar) -
ein Jahr, das bauen will und bringen,
das von zwei Händen und zwei Ringen
und wie sie zueinander gingen,
erzählt -; halb Märchen, wunderbar
und halb schon wirklich wird das Jahr;
und seine reifen Stunden klingen
für das, was wird, von dem, was war…

Rainer Maria Rilke

~

Ein neues Buch, ein neues Jahr
Theodor Fontane (1819-1898)

Ein neues Buch, ein neues Jahr
was werden die Tage bringen?

Wirds werden, wie es immer war,
halb scheitern, halb gelingen?

Ich möchte leben, bis all dies Glühn
rücklässt einen leuchtenden Funken.

Und nicht vergeht, wie die Flamm im Kamin,
die eben zu Asche gesunken.

~

Zu Neujahr
Wilhelm Busch (1832-1908)

Will das Glück nach seinem Sinn
dir was Gutes schenken,
sage Dank und nimm es hin
ohne viel Bedenken.
Jede Gabe sei begrüßt,
doch vor allen Dingen
das, worum du dich bemühst
möge dir gelingen.

~

Ein frohes, gesundes, glückliches neues Jahr wünscht Euch allen
George ::.

Happy New Year


wünscht George ::.

Donnerstag, Dezember 31, 2009

Silvesternacht

Porträt von Ludwig Thoma, vermutlich von Karl Klimsch, 1909
Ludwig Thoma (1867-1921)

Silvesternacht

Und nun, wenn alle Uhren schlagen,
So haben wir uns was zu sagen,
Was feierlich und hoffnungsvoll
Die ernste Stunde weihen soll.

Zuerst ein Prosit in der Runde!
Ein helles, und aus frohem Munde!
Ward nicht erreicht ein jedes Ziel,
Wir leben doch, und das ist viel.

Noch einen Blick dem alten Jahre,
Dann legt es auf die Totenbahre!
Ein neues grünt im vollen Saft!
Ihm gelte unsre ganze Kraft!

Wir fragen nicht: Was wird es bringen?
Viel lieber wollen wir es zwingen,
Dass es mit uns nach vorne treibt,
Nicht rückwärts geht, nicht stehen bleibt.

Nicht schwächlich, was sie bringt, zu tragen,
Die Zeit zu lenken, lasst uns wagen!
Dann hat es weiter nicht Gefahr.
In diesem Sinne: Prost Neujahr!

Sylvester


Cäsar Otto Hugo Flaischlen (Fotografie)
Cäsar Flaischlen (1864-1920)

Sylvester

Komm, vergiss einmal all die Geschichten
komm und begrab einmal all den Kram!
es sind ja doch nur Lumpereien,
die einem nur das Herz zerquälen,
die einen nur müde machen und lahm!

Die Menschen sind so, ich weiß es wohl:
statt fröhlich und guter Dinge zu sein,
vernörgeln sie sich die schönsten Stunden
mit kindisch törichten Hetzerein.
Sie möchten es selbst nicht, wenn man frägt ...
sie sehnen sich, harmloser sein zu dürfen,
sie nennen es Unrecht, Schande und Hohn
und möchten heraus aus all dem Gezänke ...
und kommen doch nicht los davon ...
und wenn man so zusieht, wie sie allmählich
mutloser werden, trüber und trüber ...

Mein Gott, man könnte weinen drüber!
Lebt mit mehr Freude! ach, ich möcht's
groß wie die Sonne an den Himmel schreiben,
dass es wie Feuer in die Herzen loht ...
lebt mit mehr Freude und ohne die Not
und ohne den Hass und ohne den Neid,
an den ihr das halbe Leben verpasst ...
macht's euch zu Lust und nicht zu Last!
lebt mit mehr Freude,
lebt mit mehr Rast!

Am letzten Tage des Jahres

Annette von Droste-Hülshoff (1797-1848)

Am letzten Tage des Jahres

Das Jahr geht um,
Der Faden rollt sich sausend ab.
Ein Stündchen noch, das letzte heut,
Und stäubend rieselt in sein Grab,
Was einstens war lebend'ge Zeit.
Ich harre stumm.

's ist tiefe Nacht!
Ob wohl ein Auge offen noch?
In diesen Mauern rüttelt dein
Verrinnen, Zeit! Mir schaudert doch.
Es will die letzte Stunde sein
Einsam durchwacht.

Geschehen all,
Was ich begangen und gedacht,
Was mir aus Haupt und Herzen stieg:
Das steht nun eine ernste Wacht
Am Himmelstor. O halber Sieg!
O schwerer Fall!

Wie reißt der Wind
Am Fensterkreuze! Ja, es will
Auf Sturmesfittiche das Jahr
Zerstäuben, nicht ein Schatten still
Verhauchen unterm Sternenklar.
Du Sündenkind,

War nicht ein hohl
Und heimlich Sausen jeden Tag
In deiner wüsten Brust Verlies,
Wo langsam Stein an Stein zerbrach,
Wenn es den kalten Odem stieß
Vom starren Pol?

Mein Lämpchen will
Verlöschen, und begierig saugt
Der Docht den letzten Tropfen öl.
Ist so mein Leben auch verraucht?
Eröffnet dich des Grabes Höhl
Mir schwarz und still?

Wohl in dem Kreis,
Den dieses Jahres Lauf umzieht,
Mein Leben bricht. Ich wusst es lang,
Und dennoch hat dies Herz geglüht
In eitler Leidenschaften Drang.
Mir brüht der Schweiß

Der tiefsten Angst
Auf Stirn und Hand. Wie? dämmert feucht
Ein Stern dort durch die Wolken nicht?
War es der Liebe Stern vielleicht,
Dir zürnend mit dem trüben Licht,
Dass du so bangst?

Horch, welch Gesumm?
Und wieder? Sterbemelodie!
Die Glocke regt den ehrnen Mund.
O Herr, ich falle auf das Knie:
Sei gnädig meiner letzten Stund!
Das Jahr ist um!

::.

Mittwoch, Dezember 30, 2009

Vollmond . . .

Nikolaus Lenau (1802-1850)

Das Mondlicht

Dein gedenkend irr' ich einsam
Diesen Strom entlang;
Könnten lauschen wir gemeinsam
Seinem Wellenklang!

Könnten wir zusammenschauen
In den Mond empor,
Der da drüben aus den Auen
Leise taucht hervor.

Freundlich streut er meinem Blicke
Aus dem Silberschein
Stromhinüber eine Brücke
Bis zum stillen Hain. —

Wo des Stromes frohe Wellen
Durch den Schimmer ziehn,
Seh' ich, wie hinab die schnellen
Unaufhaltsam fliehn.

Aber wo im schimmerlosen
Dunkel geht die Flut,
Ist sie nur ein dumpfes Tosen,
Das dem Auge ruht. —

Dass doch mein Geschick mir brächte
Einen Blick von dir!
Süßes Mondlicht meiner Nächte,
Mädchen, bist du mir!

Wenn nach dir ich oft vergebens
In die Nacht gesehn,
Scheint der dunkle Strom des Lebens
Trauernd still zu stehn;

Wenn du über seinen Wogen
Strahlest zauberhell,
Seh' ich sie dahingezogen,
Ach! nur allzuschnell!

Am Silvesterabend ist Vollmond!
Da ist schon was geboten, an diesem 31. Dezember!

Am 31. Dezember ist ein "Blue Moon" samt partieller Mondfinsternis am Himmel zu sehen.

Zum ersten Mal seit Jahrzehnten wird in der Silvesternacht wieder ein "Blue Moon" am Himmel stehen. Ein zweiter Vollmond innerhalb ein und desselben Monats kommt ohnehin nicht sehr oft vor. In einer Silvesternacht habe man sie seit dem Jahreswechsel 1990/91 nicht mehr beobachten können, erklärt der niederländische Astronom Theo Jurriens von der Universität Groningen. Das nächste Mal werde ein Silvester-"Blue Moon" seinen Berechnungen zufolge erst wieder im Jahr 2028 zu erleben sein. (T:Stern)


Der genaue Zeitpunkt des Vollmonds ist:
Donnerstag : 31. Dezember 2009 | 20:12:36 Uhr
Mitteleuropäische Zeit.
::.





Hermann Hesse : In Sand geschrieben

In Sand geschrieben

Daß das Schöne und Berückende
Nur ein Hauch und Schauer sei,
Daß das Köstliche, Entzückende,
Holde ohne Dauer sei:
Wolke, Blume, Seifenblase,
Feuerwerk und Kinderlachen,
Frauenblick im Spiegelglase
Und viel andre wunderbare Sachen,
Daß sie, kaum entdeckt, vergehen,
Nur von Augenblickes Dauer,
Nur ein Duft und Windeswehen,
Ach, wir wissen es mit Trauer.
Und das Dauerhafte, Starre
Ist uns nicht so innig teuer:
Edelstein mit kühlem Feuer,
Glänzendschwere Goldesbarre;
Selbst die Sterne, nicht zu zählen,
Bleiben fern und fremd, sie gleichen
Uns Vergänglichen nicht, erreichen
Nicht das Innerste der Seelen.
Nein, es scheint das innigst Schöne,
Liebenswerte dem Verderben
Zugeneigt, stets nah am Sterben,
Und das Köstlichste: die Töne
Der Musik, die im Entstehen
Schon enteilen, schon vergehen,
Sind nur Wehen, Strömen, Jagen
Und umweht von leiser Trauer,
Denn auch nicht auf Herzschlags Dauer
Lassen sie sich halten, bannen;
Ton um Ton, kaum angeschlagen,
Schwindet schon und rinnt von dannen.
So ist unser Herz dem Flüchtigen,
Ist dem Fließenden, dem Leben
Treu und brüderlich ergeben,
Nicht dem Festen, Dauertüchtigen.
Bald ermüdet uns das Bleibende,
Fels und Sternwelt und Juwelen,
Uns in ewigem Wandel treibende
Wind- und Seifenblasenseelen,
Zeitvermählte, Dauerlose,
Denen Tau am Blatt der Rose,
Denen eines Vogels Werben,
Eines Wolkenspieles Sterben,
Schneegeflimmer, Regenbogen,
Falter, schon hinweggeflogen,
Denen eines Lachens Läuten,
Das uns im Vorübergehen
Kaum gestreift, ein Fest bedeuten
Oder wehtun kann. Wir lieben,
Was uns gleich ist, und verstehen,
Was der Wind in Sand geschrieben.

Hermann Hesse
aus :
Die Gedichte
Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2001
Über das Glück. Briefe, Gedichte und Prosa.


Aquarell von Hermann Hesse - verschneites Seetal - 17.12.1933
::.

Dienstag, Dezember 29, 2009

Rainer Maria Rilke

Heute vor 83. Jahren starb Rainer Maria Rilke.

Rilke ist am 29. Dezember 1926 im Sanatorium Valmont sur Territet bei Montreux verstorben
und wurde – seinem Wunsch entsprechend – am 2. Januar 1927 in der Nähe seines letzten Wohnorts auf dem Bergfriedhof von Raron im Wallis westlich von Visp beigesetzt.

Die Kirche von Raron.
Heute ist sein Todestag.
Erst kurz vor Rilkes Tod wurde seine Krankheit als Leukämie diagnostiziert und zwar in einer damals noch wenig bekannten Form.

Auf seinem Grabstein steht der selbst ausgewählte Spruch:

Rose, oh reiner Widerspruch, Lust,
Niemandes Schlaf zu sein unter soviel
Lidern.

Rainer Maria Rilke (1875-1926)

Rilkes Grab.



Der Tod ist groß...

Der Tod ist groß.

Wir sind die Seinen
lachenden Munds.
Wenn wir uns mitten im Leben meinen,

wagt er zu weinen mitten in uns.

Rainer Maria Rilke.

Einige seiner ausgewählten Gedichte:

Herbsttag

Herr: es ist Zeit. Der Sommer war sehr groß.
Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren,
und auf den Fluren laß die Winde los.

Befiehl den letzten Früchten voll zu sein;
gib ihnen noch zwei südlichere Tage
dränge sie zur Vollendung hin und jage
die letzte Süße in den schweren Wein.

Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr.
Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben,
wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben
und wird in den Alleen hin und her
unruhig wandern, wenn die Blätter treiben.

(1902, aus: Das Buch der Bilder)

Der Panther
‎ Im Jardin des Plantes, Paris

Sein Blick ist vom Vorübergehn der Stäbe
so müd geworden, dass er nichts mehr hält.
Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe
und hinter tausend Stäben keine Welt.

Der weiche Gang geschmeidig starker Schritte,
der sich im allerkleinsten Kreise dreht,
ist wie ein Tanz von Kraft um eine Mitte,
in der betäubt ein großer Wille steht.

Nur manchmal schiebt der Vorhang der Pupille
sich lautlos auf -. Dann geht ein Bild hinein,
geht durch der Glieder angespannte Stille -
und hört im Herzen auf zu sein.

(1902/03, aus: Neue Gedichte)

Die Liebenden

Sieh,
wie sie zu einander erwachsen:

in ihren Adern wird alles Geist.
Ihre Gestalten beben wie Achsen,
um die es heiß und hinreißend kreist
Dürstende, und sie bekommen zu trinken,
Wache, und sieh: sie bekommen zu sehn.
Laß sie ineinander sinken,
um einander zu überstehn.

(1908, Paris)

Herbst
Die Blätter fallen, fallen wie von weit,
als welkten in den Himmeln ferne Gärten;
sie fallen mit verneinender Gebärde.

Und in den Nächten fällt die schwere Erde
aus allen Sternen in die Einsamkeit.

Wir alle fallen. Diese Hand da fällt.
Und sieh dir andre an: es ist in allen.

Und doch ist Einer, welcher dieses Fallen
unendlich sanft in seinen Händen hält.

(Aus: Das Buch der Bilder')


Zu Rainer Maria Rilke
geboren * 4. Dezember 1875 in Prag,
gestorben † 29. Dezember 1926 im Sanatorium Valmont bei Montreux, Schweiz,
eigentlich René Karl Wilhelm Johann Josef Maria Rilke,
war einer der bedeutendsten Lyriker deutscher Sprache.

Daneben verfasste er Erzählungen, einen Roman und Aufsätze zu Kunst und Kultur sowie zahlreiche Übersetzungen von Literatur und Lyrik unter anderem aus der französischen Sprache. Sein umfangreicher Briefwechsel bildet einen wichtigen Bestandteil seines literarischen Schaffens.
::.

Freitag, Dezember 25, 2009

Weihnachten


Weihnachten

Die eisige Straße mit Schienengeleisen,
Die Häusermasse in steinernen Reih'n,
Der Schnee in Haufen, geisterweißen,
Und der Tag, der blasse, mit kurzem Schein.

Der Kirchtüre Flügel sich stumm bewegen,
Die Menschen wie Schatten zur Türspalte gehn;
Bekreuzen die Brust, kaum dass sie sich regen,
Als grüßen sie jemand, den sie nur sehn.

Ein Kindlein aus Wachs, auf Moos und Watten,
Umgeben von Mutter und Hirten und Stall,
Umgeben vom Kommen und Gehen der Schatten,
Liegt da wie im Mittelpunkte des All.

Und Puppen als Könige, aus goldnen Papieren,
Und Mohren bei Palmen, aus Federn gedreht,
Sie kamen auf kleinen und hölzernen Tieren,
Knien tausend und tausend Jahr im Gebet.

Sie neigen sich vor den brennenden Kerzen;
Als ob im Arm jedem ein Kindlein schlief,
Siehst du sie atmen mit behutsamen Herzen
Und lauschen, ob das Kind sie beim Namen rief.

Max Dauthendey (1867-1918)

Es gibt so wunderweiße Nächte

Es gibt so wunderweiße Nächte,
drin alle Dinge Silber sind.
Da schimmert mancher Stern so lind,
als ob er fromme Hirten brächte
zu einem neuen Jesuskind.

Weit wie mit dichtem Demantstaube
bestreut, erscheinen Flur und Flut,
und in die Herzen, traumgemut,
steigt ein kapellenloser Glaube,
der leise seine Wunder tut.

Rainer Maria Rilke, 1875 - 1926

Frohes Fest und ein gesundes. glückliches neues Jahr 2010.

Ich wünsche allen Bloglesern wunderschöne Weihnachtstage mit viel Ruhe,
schönen Digen und wertvollen Begegnungen mit ganz vielen lieben Menschen,
mit vielen frohen aber auch besinnlichen Momenten, viel Freude, Licht und Glückseligkeit.
Eine gute Zeit mit den Menschen, die Ihnen wichtig sind.
Gesundheit, Glück, Liebe, Erfolg im neuen Jahr 2010 und einen guten Rutsch dorthin.

George ::.



Freitag, Dezember 04, 2009

Rainer Maria Rilke - Kalenderblatt 4.Dezember 09

»Die Worte sind nur die Mauern. Dahinter in immer blauern Bergen schimmert ihr Sinn.«

Rainer Maria Rilke
* 4. Dezember 1875 in Prag;
† 29. Dezember 1926 im Sanatorium Valmont bei Montreux, Schweiz;
eigentlich René Karl Wilhelm Johann Josef Maria Rilke,
war einer der bedeutendsten Lyriker deutscher Sprache und der Weltliteratur.

Daneben verfasste er Erzählungen, einen Roman und Aufsätze zu Kunst und Kultur sowie zahlreiche Übersetzungen von Literatur und Lyrik unter anderem aus der französischen Sprache. Sein umfangreicher Briefwechsel bildet einen wichtigen Bestandteil seines literarischen Schaffens. Rilke schuf impressionistische Stimmungslyrik ('Larenopfer', 1896), Prosadichtung ('Die Weise von Liebe und Tod des Cornets Christoph Rilke', 1906), später sachliche Objektbeschreibungen ('Ding-Gedichte'), beschrieb Existenzproblematik ('Duineser Elegien', 1923, 'Sonette an Orpheus', 1923).

Nach einer unglücklichen Kindheit und dem verhassten Besuch einer Militärakademie entwickelte Rilke sich im Laufe der Jahre zu einem der bedeutendsten Autoren der Weltliteratur. Er führte ein ruheloses Leben »als Dichter«, ständig auf der »Durchreise«, unfähig, eine feste Beziehung aufzubauen (seine Ehe mit der Bildhauerin Clara Westhoff hielt nur 1 Jahr und wurde nach der Geburt der gemeinsamen Tochter Ruth »freundschaftlich« beendet). Eine lebenslange Freundschaft verband ihn (ab 1897) mit der Schriftstellerin Lou Andreas-Salomé (1861-1937), mit der er auch Russland bereiste (1899). Von 1903-1906 war Rilke als Privatsekretär bei Auguste Rodin in Paris und Meudon tätig. Die Verbindung zerbrach 1906. Seine Ballade »Weise von Liebe und Tod des Cornets Christoph Rilke« (1899) machte ihn berühmt. Sein einziger Roman »Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge« (1910) ist ein einmaliges, autobiographisch gefärbtes Meisterwerk. Daneben schuf er zahllose Gedichte von faszinierender Sprachkraft.

Rainer Maria Rilke starb, nach langer, schwerer Krankheit an Leukämie, an der er seit 1923 litt.

Einige seiner Werke:

Das Buch der Bilder (1902)
Die Weise von Liebe und Tod des Cornets Christoph Rilke (1899/1904)
Das Stundenbuch (1905)
Neue Gedichte (1907)
Der Neuen Gedichte anderer Teil (1908)
Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge (1910)
Das Marien-Leben (1913)
Die Sonette an Orpheus (1923)
Duineser Elegien (1912-1923)

Stationen seines Lebens in der Wikipedia. . .

Zum Rilke Adventskalender 2009 :

am 4. Dezember steht im Adventskalender

Die hohen Tannen atmen heiser
im Winterschnee, und bauschiger
schmiegt sich sein Glanz um alle Reiser.
Die weißen Wege werden leiser,
die trauten Stuben lauschiger.

Da singt die Uhr, die Kinder zittern:
im grünen Ofen kracht ein Scheit
und stürzt in lichten Lohgewittern, -
und draußen wächst im Flockenflittern
der weiße Tag zur Ewigkeit.


Link_
http://rainer-maria-rilke.de/

. . . einige seiner Gedichte:

Liebes-Lied

Wie soll ich meine Seele halten, dass
sie nicht an deine rührt? Wie soll ich sie
hinheben über dich zu andern Dingen?
Ach gerne möcht ich sie bei irgendwas
Verlorenem im Dunkel unterbringen
an einer fremden stillen Stelle, die
nicht weiterschwingt, wenn deine Tiefen schwingen.
Doch alles, was uns anrührt, dich und mich,
nimmt uns zusammen wie ein Bogenstrich,
der aus zwei Saiten eine Stimme zieht.
Auf welches Instrument sind wir gespannt?
Und welcher Geiger hat uns in der Hand?
O süßes Lied

Aus: Neue Gedichte, 1907


Der Panther

Im Jardin des Plantes, Paris

Sein Blick ist vom Vorübergehn der Stäbe
so müd geworden, dass er nichts mehr hält.
Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe
und hinter tausend Stäben keine Welt.

Der weiche Gang geschmeidig starker Schritte,
der sich im allerkleinsten Kreise dreht,
ist wie ein Tanz von Kraft um eine Mitte,
in der betäubt ein großer Wille steht.

Nur manchmal schiebt der Vorhang der Pupille
sich lautlos auf -. Dann geht ein Bild hinein,
geht durch der Glieder angespannte Stille -
und hört im Herzen auf zu sein.

Rainer Maria Rilke, 6.11.1902, Paris


Der Lesende

Ich las schon lang. Seit dieser Nachmittag,
mit Regen rauschend, an den Fenstern lag.
Vom Winde draußen hörte ich nichts mehr:
mein Buch war schwer.
Ich sah ihm in die Blätter wie in Mienen,
die dunkel werden von Nachdenklichkeit,
und um mein Lesen staute sich die Zeit. -
Auf einmal sind die Seiten überschienen,
und statt der bangen Wortverworrenheit
steht: Abend, Abend... überall auf ihnen.
Ich schau noch nicht hinaus, und doch zerreißen
die langen Zeilen, und die Worte rollen
von ihren Fäden fort, wohin sie wollen...
Da weiß ich es: über den übervollen
glänzenden Gärten sind die Himmel weit;
die Sonne hat noch einmal kommen sollen. -
Und jetzt wird Sommernacht, soweit man sieht:
zu wenig Gruppen stellt sich das Verstreute,
dunkel, auf langen Wegen, gehn die Leute,
und seltsam weit, als ob es mehr bedeute,
hört man das Wenige, das noch geschieht.

Und wenn ich jetzt vom Buch die Augen hebe,
wird nichts befremdlich sein und alles groß.
Dort draußen ist, was ich hier drinnen lebe,
und hier und dort ist alles grenzenlos;
nur das ich mich noch mehr damit verwebe,
wenn meine Blicke an die Dinge passen
und an die ernste Einfachheit der Massen, -
da wächst die Erde über sich hinaus.
Den ganzen Himmel scheint sie zu umfassen:
der erste Stern ist wie das letzte Haus.

Rainer Maria Rilke
Aus:
Das Buch der Bilder,
Des zweiten Buches zweiter Teil, 1902/1906

"Die Zukunft zeigt sich in uns
lange bevor sie eintritt."

Rainer Maria Rilke
::.

Allen Lesern eine schöne Adventszeit.
Mache ein kleines Päuschen - wegen Standortwechsel, bald geht es wieder weiter!
Bis dahin, liebe Grüße an alle meine Leser.

Mittwoch, Dezember 02, 2009

Rainer Maria Rilke - Adventskalender. . .

Rainer Maria Rilke 1919 Passbild

2.Dezember 2009:

Um die Wahrheit zu sagen, gütigste Fürstin, es war eine Art Entbehrung für mich, Ihnen um Weihnachten nicht von meinem Gedenken zu schreiben, das lebhaft und dankbar war. Wenn man diesen Abend allein am Arbeitstisch verbringt - höchstens etwas mehr zurückgelehnt als sonst - so wird er so recht ein Binnen-Fest aller guten Erinnerungen ...

Aus einem Brief an Marie Taxis
vom 28. Dezember 1909

Link zum 2. Dezember im Adventskalender

Rilke Briefe an:

An Marie Taxis
Paris, 77 rue de Varenne,
am 27. September 1911

An die Fürstin Marie von Thurn und Taxis-Hohenlohe
Chäteau de Muzot
s/Sierre, am 11. Februar 1922

Rainer Maria Rilke mit Marie Fürstin von Thurn und Taxis-Hohenlohe,
Chateau von Duino an der Adriatische die Küste, das Schloß,
in dem er Duineser Elegien schrieb.

Duineser Elegien

Chateau Duino

Du Dunkelheit

Du Dunkelheit, aus der ich stamme,
ich liebe dich mehr als die Flamme,
welche die Welt begrenzt,

indem sie glänzt
für irgend einen Kreis,
aus dem heraus kein Wesen von ihr weiß.

Aber die Dunkelheit hält alles an sich:
Gestalten und Flammen, Tiere und mich,
wie sie's errafft,
Menschen und Mächte -

Und es kann sein: eine große Kraft
rührt sich in meiner Nachbarschaft.

Ich glaube an Nächte.

Rainer Maria Rilke, 22.9.1899, Berlin-Schmargendorf

::.

Otto Dix

Wilhelm Heinrich Otto Dix
* 2. Dezember 1891 in Untermhaus, heute Stadtteil von Gera,
† 25. Juli 1969 in Singen am Hohentwiel,
war ein deutscher Maler und Grafiker der Neuen Sachlichkeit und des Expressionismus.
Sein Werk ist von stilistischer Vielfalt geprägt.

Otto Dix gilt als exzellenter Zeichner und hinterließ mehr als 6000 Zeichnungen und Skizzen. Außerdem entstanden Gemälde und Aquarelle, die stark an Werke aus der Renaissance erinnern, sowie diverse Porträts.
Otto Dix wird zu den bedeutendsten deutschen Künstlern des 20. Jahrhunderts gezählt.
Die umfangreichsten Sammlungen von Werken Otto Dix' befinden
sich mit im Kunstmuseum Stuttgart.

Otto Dix - Anita Berber

Otto-Dix-Haus Hemmenhofen

Webseite - Otto Dix

Mein Blog - Otto Dix

::.

Georges Seurat

Georges-Pierre Seurat
* 2. Dezember 1859 in Paris,
† 29. März 1891 in Paris,
war ein französischer Maler und, neben Paul Signac, wichtigster Vertreter des Pointillismus.

Georges Seurat - Un dimanche après-midi à l'Île de la Grande Jatte 1884
Ein Sonntag auf Grande Jatte.

Georges Seurat Badeplatz in Asnières 1883/1884

Kurzbio bei Artelino

Virtuelle Kunstgallerie - Georges Seurat
::.

Zitat - Erich Fried





Das Leben wäre einfacher,
wenn ich Dich nicht getroffen hätte.
Es wäre nur nicht mein Leben . . .

Erich Fried
österreichischer Lyriker,
1987 Georg-Büchner Literatur-Preis
1921 - 1988

Vollmond . . .

Vollmond über Zürich,

am Mittwochmorgen ist Vollmond.

Der genaue Zeitpunkt des Vollmonds ist:
Mittwoch 2. Dezember 2009 um 08:30 Uhr
Mitteleuropäische Zeit.

Der Mond begleitet uns durch die ganze Nacht.
Der Mond gelangt in der Vollmondnacht besonders hoch über Horizont und lädt zu nächtlichen Vollmondwanderungen ein.
Der volle Mond steht um 23:45Uhr 64° hoch im Süden im Sternbild Stier.
Der nächste Vollmond wird am Silvesterabend stattfinden.

Ein Vollmondgedicht von Rainer Maria Rilke :

Städtische Sommernacht

Unten macht sich aller Abend grauer,
und das ist schon Nacht, was da als lauer
Lappen sich um die Laternen hängt.
Aber höher, plötzlich ungenauer,

wird die leere leichte Feuermauer
eines Hinterhauses in die Schauer
einer Nacht hinaufgedrängt,
welche Vollmond hat und nichts als Mond.

Und dann gleitet oben eine Weite
weiter, welche heil ist und geschont,
und die Fenster an der ganzen Seite
werden weiß und unbewohnt.

Rainer Maria Rilke

Rainer Maria Rilke, Zeichnung von Leonid O. Pasternak.

Dienstag, Dezember 01, 2009

Rainer Maria Rilke - Adventskalender 2009

Oh, ich denke nicht daran fortzugehen; denn das Wesentliche meiner retraite auf Berg ist eben ihre Ununterbrochenheit - und auch die beste Unterbrechung wäre eben eine; ich denke auch nicht mehr Weihnachten zu halten und zu fühlen, als vielleicht jenen kleinen Augenblick, da es einen aus dem Innern herauf in seiner eigenthümlichen Rührung mahnt, solange mags das Recht behalten, auf das es sich so weit zurück jedes mal zu berufen scheint. Im übrigen müssen mir jetzt alle Tage Werktage sein; es fehlt ihnen trotzdem zuweilen nicht an Feierlichkeit

Brief an Anita Forrer vom 22. 12. 1920

aus: Rainer Maria Rilke Adventskalender 2009
Link: Rilke.de - Advent 1.Dezember

A m 7. November 1919 kam Rainer Maria Rilke zu einer Dichterlesung in die „Museums- 1 Gesellschaft" nach St. Gallen. Unter seinen Zuhörern: ein achtzehnjähriges Mädchen, Tochter eines angesehenen Anwalts und Politikers. Fast zwei Monate später nimmt sich das streng behütete Kind aus der Klosterstadt ein Herz und schreibt dem Dichter einen Brief, in dem gleich zweimal von der „tiefen Ergriffenheit" durch den Vortrag die Rede ist: „Sie haben eine Sprache, die in unserm Innern tönt und lebt."

Aus:
Geometrie des Herzens
Briefwechsel mit Anita Forrer - Zeit.de

Rainer Maria Rilke, Anita Forrer
Briefwechsel - Suhrkamp Verlag

::.

Rainer Maria Rilke - Es treibt der Wind im Winterwalde


Es treibt der Wind im Winterwalde

Es treibt der Wind im Winterwalde
Die Flockenherde wie ein Hirt,
Und manche Tanne ahnt, wie balde
Sie fromm und lichterheilig wird.

Sie lauscht hinaus. Den weissen Wegen
Streckt sie die Zweige hin bereit
Und wehrt dem Wind und wächst entgegen
Der einen Nacht der Herrlichkeit.

Rainer Maria Rilke,
1875-1926
::.

Eugenie Schumann

Eugenie Schumann

geboren am 1. Dezember 1851 in Düsseldorf
gestorben am 25. September 1938 in Bern
deutsche Musikschriftstellerin.

Zitat:
"Die überwiegende Bedeutung unsrer Eltern wies uns von vornherein unsern Platz an. Als ich aus der Pension kam, fand ich sozusagen die Welt fix und fertig vor, und es fiel mir nicht ein, mich dagegen aufzulehnen."
(Eugenie Schumann).

Die blauen Geliebten von Marc Chagall

Schumann Portal

Fembio

::.

Kalenderblatt | Dezember

Der Monat Dezember im Chronograph von 354 des spätantiken Kalligraphen Filocalus. Die Kopien sind Federzeichnungen des 17. Jahrhunderts in einem Manuskript
der Barberini-Sammlung, heute in der Vatikanischen Bibliothek (codex Barberini lat. 2154).

»Dezember«,
Christmonat, der 12. Monat im Jahr,
bei den alten Römern, die ihr Jahr mit dem März anfingen, der 10.,
daher der Name vom lateinischen decem, zehn.

Weihnachten :
altdeutsch ze wîhen nahten, »an den heiligen Nächten«,
Christfest, seit dem 4. Jahrh. als christliches Hauptfest 25. Dezember
zur Erinnerung an Christi Geburt gefeiert,
diese wurde im Morgenlande früher zugleich mit Christi Taufe 6. Januar gefeiert,
im Abendlande (Rom 354) aber auf den Julianischen Tag der Wintersonnenwende verlegt,
was der Orient alsbald aufnahm.

Zahlreiche Gebräuche der heidnischen Sonnenwendfeste, die Geschenksitten und Festspeisen der römischen Saturnalien, des germanischen Julfestes,gingen auf Weihnachten über.
Der Christbaum kam erst seit dem 17. Jahrhundert auf.
aus: Brockhaus.

Dezember heißt im Altdeutschen
Julmond

im Mittelhochdeutschen
Christmond

auf Latein
December

auf Irisch
Nollaig

im Albanischen
dhjetor

im Arabischen
Dhulhiddsche

auf burgenländisch-kroatisch:
decembar

im Dänischen
December

im Englischen
December

im Französischen
Decembre

im Finnischen
Joulokuu (Weihnachtsmond)

im hebräischen
Tebet

im Italienischen
Dicembre

im Koreanischen
siebiwol

im Kroatischen
prosinac

im Polnischen
grudzien "grudzien"
(Monat, in dem es so kalt ist, dass die Erde zum Klumpen "gruda" gefroren ist)

im Türkischen
Aralik

Dezember Bild aus dem www von VisonBlue.
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Advent

Advent

Es treibt der Wind im Winterwalde
Die Flockenherde wie ein Hirt,
Und manche Tanne ahnt, wie balde
Sie fromm und lichterheilig wird,
Und lauscht hinaus. Den weißen Wegen
Streckt sie die Zweige hin - bereit,
Und wehrt dem Wind und wächst entgegen
Der einen Nacht der Herrlichkeit.

Rainer Maria Rilke (1875-1926)

wünsche allen eine schöne besinnliche Adventszeit.
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Montag, November 30, 2009

Kalenderblatt : Jonathan Swift

Jonathan Swift
von Charles Jervas- Ausschnitt

Jonathan Swift
* 30. November 1667 in Dublin, Irland,
† 19. Oktober 1745 Dublin, Irland,
war ein irischer Schriftsteller und Satiriker.

Er hat auch unter folgenden Pseudonymen geschrieben:
Isaac Bickerstaff, A Dissenter, A Person of Quality, A Person of Honour, M.B. Drapier, T.R.D.J.S.D.O.P.I.I. (The Reverend Doctor Jonathan Swift, Dean of Patrick's in Ireland).

Zeitgemäße Zitate :

Wir haben Religion genug, um einander zu hassen,
aber nicht genug, um einander zu lieben...

Jonathan Swift
irisch. Erzähler, Moralkritiker u. Theologe, ('Gullivers Reisen')

Das richtige Wort am richtigen Ort, das ist die wahre Definition von Stil...
Jonathan Swift

Prüde Menschen haben eine schmutzige Phantasie...
Jonathan Swift

Gulliver's Reisen
Illustration of Gulliver's Travels.
Richard Redgraven
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Kalenderblatt : Theodor Mommsen

Christian Matthias Theodor Mommsen

* 30. November 1817 in Garding, Schleswig-Holstein;
† 1. November 1903 in Charlottenburg,
war ein deutscher Historiker und gilt als der bedeutendste Altertumswissenschaftler
des 19. Jahrhunderts.

Seine Werke und Editionen zur römischen Geschichte sind noch für die heutige Forschung von grundlegender Bedeutung.

Für seine Römische Geschichte wurde er 1902 als erster Deutscher
mit dem Literaturnobelpreis geehrt.


Zitate:
"In dem Glauben an das Ideale ist alle Macht wie alle Ohnmacht der Demokratie begründet."
- Römische Geschichte


"Ohne Leidenschaft gibt es keine Genialität."
- Römische Geschichte

"Wenn der Mensch keinen Genuss mehr an der Arbeit findet und bloß arbeitet, um so schnell wie möglich zum Genuss zu gelangen, so ist es nur ein Zufall, wenn er kein Verbrecher wird." - Römische Geschichte

Links:
Werke von Theodor Mommsen im Projekt Gutenberg-DE

Lebenslauf, Stammbaum, Zitate, Galerie … auf privater Homepage der Familie Mommsen

Informationen der Nobelstiftung zur Preisverleihung 1902 an Theodor Mommsen (englisch)

Mommsens Römische Geschichte, Hörbücher gemeinfrei bei LibriVox
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Montag, November 23, 2009

Paul Celan

Paul Celan
* 23. November 1920 in Czernowitz, damals Rumänien, heute Ukraine;
† vermutlich 20. April 1970 in Paris;
eigentlich Paul Antschel, später rumänisiert Ancel,
woraus das Anagramm Celan entstand, war ein deutschsprachiger Lyriker.
1960 Georg-Büchner Literatur-Preis.


Die Jahre von dir zu mir. . .

Wieder wellt sich dein Haar, wenn ich wein. Mit dem
Blau deiner Augen
deckst du den Tisch unsrer Liebe: ein Bett zwischen
Sommer und Herbst.
Wir trinken, was einer gebraut, der nicht ich war,
noch du, noch ein dritter:
wir schlürfen ein Leeres und Letztes.

Wir sehen uns zu in den Spiegeln der Tiefsee und
reichen uns rascher die Speisen:
die Nacht ist die Nacht, sie beginnt mit dem Morgen,
sie legt mich zu dir.

Paul Celan

Ich lebe unter tausend weißen Steinen. . .

Ich lebe unter tausend weißen Steinen,
die alle Nächte schleuderten nach mir.
Ich häufe sie auf meinem schwarzen Leinen,
daß Du vorbeikommst wart ich hier.

Den Sonnenuhren raubte ich die Stunden
und nur den Blumen ließ ich ihre Zeit.
Die teilen sie mit meinen schwarzen Hunden
und meinen Käfern sagen sie Bescheid.

Dem Bogenschützen reichte ich die Pfeile.
Den Raben machte ich die Herzen keck.
Nun hat es mit dem Leben keine Eile.
Ich seh Dir zu, über das Meer hinweg.

Ich weiß den Mond um sieben Jahr verspäten,
doch das ich irgend Dich mit Sternen streif,
laß ich die Steine schwärmen als Kometen
und meine Seelen häng ich dran als Schweif.

Paul Celan

Die Hand voller Stunden. . .
Gedicht von Paul Celan aus dem Gedichtband 'Mohn und Gedächtnis' gesprochen von Michael Zugowski - http://www.youtube.com/watch?v=RKV9i9Tajkg

Die Hand voller Stunden, so kamst du zu mir – ich sprach:
Dein Haar ist nicht braun.
So hobst du es leicht auf die Waage des Leids, da war es schwerer als ich…

Sie kommen auf Schiffen zu dir und laden es auf, sie bieten es feil auf den Märkten der Lust
Du lächelst zu mir aus der Tiefe, ich weine zu dir aus der Schale, die leicht bleibt.
Ich weine: Dein Haar ist nicht braun, sie bieten das Wasser der See, und du gibst ihnen Locken…
Du flüsterst: Sie füllen die Welt schon mit mir, und ich bleib dir ein Hohlweg im Herzen!
Du sagst: Leg das Blattwerk der Jahre zu dir – es ist Zeit, daß du kommst und mich küssest!

Das Blattwerk der Jahre ist braun, dein Haar ist es nicht.


Paul Celan



Zur Goll Affäre:
1960 verstärkten sich die schweren unbegründeten Plagiatsvorwürfe von Claire Goll, der Witwe des jüdischen Dichters Yvan Goll, dem Celan freundschaftlich verbunden gewesen war und für den er Gedichte übersetzt hatte. Diese Plagiatsanschuldigungen (auch bekannt als „Goll-Affäre") verfolgten Celan bis an sein Lebensende.

Artikel zur Goll-Affäre in der Zeit.


ein Anagramm Generator

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Sonntag, November 22, 2009

Kalenderblatt

Ernst Abraham Josephson (1851-1906): Portät der Jeanette Rubenson (1883).

Der schwedische Maler,
Zeichner und Dichter Ernst Abraham Josephson
stirbt am 22. November 1906 in seiner Geburtsstadt Stockholm.
Er gehört zu den bedeutendsten schwedischen Malern des 19. Jahrhunderts.
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André Gide

"Das ist das Eigentümliche an der Liebe,
dass sie sich niemals gleich bleiben kann,
sie muss unaufhörlich wachsen,
wenn sie nicht abnehmen soll."

André Gide aus - Die Falschmünzer III, 5

André Paul Guillaume Gide
* 22. November 1869 in Paris,
† 19. Februar 1951 Paris,
war ein französischer Schriftsteller
und der siebte aus Frankreich kommende Nobelpreisträger (1947) für Literatur.

André Paul Guillaume Gide gilt als eine der zentralen Gestalten der Literatur des 20. Jahrhunderts. Von seiner calvinistischen Erziehung wandte sich Gide bald ab und wurde ein "ästhetischer Immoralist". Seine Bekanntschaft mit Valéry, Wilde und vor allem Mallarmé ist in einem regen Briefwechsel dokumentiert.

Gide war 1908 Mitgründer der "Nouvelle Revue Francaise". Sein Werk besteht überwiegend aus Romanen und Dramen, in denen es um das Freiheitsstreben seiner Protagonisten und um kompromisslose Selbstverwirklichung geht. 1947 erhielt er den Nobelpreis für Literatur.

Von der katholischen Kirche wurden seine Werke 1952 postum auf den Index der verbotenen Bücher gesetzt.

In den Nachkriegsjahren konnte er noch seinen Ruhm genießen mit Einladungen zu Vorträgen, Ehrendoktorwürden, der Verleihung des Nobelpreises, Interviews, Filmen zu seiner Person
und ähnliches mehr. . .

Die Begründung für den Nobelpreis lautet:
„für seine weit umfassende und künstlerisch bedeutungsvolle Verfasserschaft, in der Fragen und Verhältnisse der Menschheit mit unerschrockener Wahrheitsliebe und psychologischem Scharfsinn dargestellt werden".

Zitate von André Gide :
"Jeder Schweizer trägt seine Gletscher in sich."
André Gide aus - Stirb und werd,

"Ich glaube, nichts lehrt einen besser Bescheidenheit,
als wenn man einen wertvollen Menschen liebt."
André Gide aus - Die Schule der Frauen

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